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Hungrig zum Auftritt wäre das Todesurteil für diese Musik! Wieso? Na weil das Wiener Gemüseorchester ausschließlich mit z. B. Flöten aus verschiendene Gemüsearten spielt. Die Instrumente bestehen aus beispielsweise ausgehöhlten Gurken oder Karotten, die dann als Flöte gelten oder mit einem Schalltrichter aus Paprikaschoten - als Trompete. Ironischerweise baut das Gemüseorchester Küchengeräte, wie Mixer, Entsafter, Messer oder Reibeisen als klangliche Unterstützung in die Konzerte mit ein.

Wie funktioniert das?

Sie spielen auch nicht wie es üblich ist nach Noten, wie ein klassisches Orchester, sondern nach graphischen Feldern, die ihnen dann den Einsatz verraten. Und auch das Spielen selber ist den Musikanten freigestellt, z. B. wie sie den Zeitraum nutzen, ob für längere oder kürzere, laute oder leise Töne. Sehr relevant ist auch die Zusammenarbeit mit der Tontechnik des Ensembles. Mithilfe einer speziellen Mikroformierung, eine Mischung aus Kondensator-, Gesangs- und Kontaktmikrofonen, werden oftmals die sehr leisen und sensiblen Töne verstärkt.

Wie kam das Orchester zustande?

Zu Beginn wurde viel getüfftelt und ausprobiert und so entstanden 1998 die ersten Gemüseinstrumente in Wien, die ersten Instrumente wie "Gurkophon" "Karottenflöte" und "Lauchgeigen" waren geboren. Seitdem gehören dem Orchester zwölf Personen an, die sich alle auf ihre Art und Weise mit Kunst und Musik beschäftigen. Das Ensembles setzt sich aus einer Gruppierung von Künstlern zusammen, die ihre Interdisziplinarität als wichtigen Bestandteil ihres musikalischen Selbstbildes begreifen und daher gemeinsam an der Erkundung und Weiterentwicklung der Gemüsemusik arbeiten, um sich selbst als Gemüsiker/innen bezeichnen zu können. Das Orchester ist voll mit kreativen Köpfen, ausgebildeten Musikern, sowohl Bildhauern, Architekten, Designern als auch Medienkünstlern, Schriftstellern und Soundpoeten.

Karottenflötist Nikolaus Gansterer erzählt: "Am Anfang hat sogar jeder alles gespielt - bis wir gemerkt haben: Es gibt natürliche Begabungen. Ich selbst spiele viel Karottenflöte und Kürbisposaune."

Mittlerweile treten sie in Europa, USA und Asien auf, noch dazu natürlich im Wiener Konzerthaus, bei den Osterfestspielen Salzburg, dem Sonar (einem Festival in Barcelona), während des RomaEuropa Festivals in Rom und in der Royal Festival Hall in London. Der Fernsehsender ARTE widmete ihnen sogar eine Dokumentation. Die Inspiration für dieses weltweit einzigartige Orchester können Musikauffassungen des Fluxus, wie Kompositionen von John Cage (Branches, 1976), aber auch ein paar Einflüsse aus der Klangkunst und experimentellen, elektronischen Musikgenre in Erwägung gezogen werden. Das Ensembles arbeitet mit verschiedenen Videokünstlern zusammen, die das Klangspektrum mittels speziellen Mikrokameras auf der Bühne um eine visuelle Ebene erweitern. Ein Auftritt des Gemüseorchesters ist eine erlebnisreiche Mischung aus Performance und Konzert. Die guten Instrumente werden natürlich nicht weggeschmissen oder von den Gemüsikanten gegessen, sondern werden verwertet und es gibt für jedermann Gemüsesuppe!

Unsere Lehrer bieten zwar keine Gemüseinstrumente zum Lernen an, aber wie wäre es mit einer normalen Flöte??

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